Fakten und Zahlen:
Sprache: Spanisch, Englisch
Staatsform: US-amerikanisches Außengebiet
Fläche: 8.959 km²
Koordinaten: 18°15' N, 66°30' W / Grosse Antillen
Hauptstadt: San Juan
Währung: US-Dollar
Einwohnerzahl: 3.958.128 Personen - Stand 2008
Internet TLD: .pr
Seit 1952 ist Puerto Rico ein unabhängiger, an die USA angeschlossener Freistaat.
Mit vier millionen Einwohnern, d.h. tausend Menschen pro Quadratkilometer, ist Puerto Rico eine der am dichtesten besiedelten Inseln
der Welt. Die einst spanische Bastion, die 1917 in den Einflussbereich der USA gelangte, stellt eine fröhliche Verbindung beider
Kulturen dar. Schon ihre geografische Lage zwischen den
Virgin Islands im Osten und der
Dominikanischen Republik im Westen zeigt,
welcher Spagat der Insel zwischen der
spanischsprachigen und der
englischsprachigen Welt abverlangt wird.
Heute hat sich die Geschichte umgekehrt und Puerto Rico hat mit seinen Einwanderern, die ein Stück ihre Geschichte und ihres
unbeschwerten Lebensstils mit sich in die USA tragen, Amerika erobert...
Im Gegenzug bieten USA den Puerto-Ricanern einen Pass und einen Absatzmarkt. Von zehn Flaschen
Rum, die in Amerika verkauft werden,
stammen acht aus puerto-ricanischen Brennereien. Zudem ist die Insel eins der beliebteste Reiseziele der amerikanischen Urlauber.
Aber auch hier geht die Bewegung in beide Richtungen: die in den USA angesiedelte
puerto-ricanische Bevölkerung wird auf mindestens zwei Millionen Menschen geschätzt.
San Juan
Die meisten Besucher Puerto Ricos - sowie auch ich - fahren nicht weiter als San Juan. Besonders die von Hotels gesäumte schicke Küstenpromenade der
Hauptstadt - von Isla Verde über den Inseltreff Condado bis zur Altstadt - hat es ihnen angetan. Sonne und gute Laune sind Ihnen
sicher, geniessen Sie aber auch die spanische Atmosphäre der Insel. Spazieren Sie durch das wunderschön restaurierte Old San Juan
um Kolonialstil. Besichtigen Sie alte Festungen, spätgotische Kirchen, spanisch anmutende Plazas und Häuser mit Balkonen,
schmiedeeisernen Gittern und arkadengesäumten Patios.
Die 1508 von Juan Ponce de Leon gegründete Stadt besitzt einen Hafen, in dem unzählige Luxusdampfer bei der Karibik-Kreuzfahrt
anlegen. Abends, wenn die schwimmenden Städte wieder auf See sind, ist die 450'000 Einwohner zählende Stadt viel ruhiger. Dann kann
man sich in Ruhe mit Freunden auf einer von unzähligen Caféterrassen treffen.
Auf einer Halbtages tour können Sie die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Old San Juan besuchen, doch es ist unmöglich, in einem
Durchgang alles zu sehen. Bevor Sie aufbrechen, sollten Sie sich im Informationsbüro in La Casita direkt am Hafen mit Broschüren
und Karten eindecken.
Paseo de la Princesa
Die Promenade aus dem 19. Jh. führt vom Hafen Richtung Westen und dann Norden die Stadt mauer entlang. Im ehemaligen Gefängnis La Princesa hat man ein Museum für moderne Kunst eingerichtet. Über der Bucht von San Juan thront La Fortaleza, das 1540 errichtete Bollwerk gegen die Kariben-Indianer. Als aber moderner gerüstete Feinde auftauchten, wurde die alte Festung unbrauchbar. Dann bezogen die Gouverneure Puerto Ricos die 40 Räume des Bauwerks, wo sie nun seit 400 Jahren wohnen und arbeiten. Der Paseo endet an der Puerta de San Juan, dem ältesten Tor der massiven Stadtmauer.
Rund um die Kathedrale
Die rosafarbene Kathedrale von San Juan wurde im 19. Jh. vollständig renoviert. Vom ursprünglichen Bau aus dem Jahre 1540 sind nur die Wendeltreppe und einige angrenzende Räume mit gotischen Decken geblieben. Das Marmorgrab neben dem Querschiff birgt die sterblichen Überreste Ponce de Leóns. Beim Verlassen der Kirche stossen Sie rechts auf ein ehemaliges Karmeliterkloster, das heute als Hotel El Convento in schön renovierten Zimmern und in der zum Restaurant umfunktionierten Kapelle seine Gäste empfängt.
El Morro Festung
An der äussersten Spitze der Halbinsel erhebt sich El Morro, San Juans
beeindruckendes Festung. Sie können sie auf eigene Faust
erkunden oder sich vom National Park Service führen lassen. Im Innern der uneinnehmbar wirkenden Anlage findet man Rasenflächen
und sogar einen ausrangierten Golfplatz.
Nicht nur Armeefans bewundern die bautechnische Vollkommenheit dieser in sich geschlossenen, sechsstöckigen Stadt. Spazieren Sie
durch Tunnels, Treppen hinab, Rampen hinauf und über Exerzierplätze; besichtigen Sie die Waffenlager, Kanonen, Kerker und Küchen.
Kein Wunder, dass El Morro nur ein Mal unterlag - 1598 den Briten. Damals kamen die Eindringlinge von hinten über einen Brückenkopf
an der Stelle, wo Heute die Condado-Hotels stehen.
Apropos: Die Festung El Morro dient seit 1908 als Leuchtturm.
Plaza de Armas
Vor vielen Jahrhunderten exerzierte die Bürgerwehr auf dem Waffenplatz mitten in San Juans Altstadt. Später entwickelte sich die Plaza zu einem beliebten Treffpunkt, wo auch Konzerte stattfinden. Sie wurde 1988 erneuert aund umfasst heute Bühne, Pavillon, Brunnen und Snack-Bar. Das Schmuckstück von San Juans Rathaus, der Alcaldia, ist der geräumige Versammlungssaal im oberen Stock mit dem schachbrettartigen Marmorfussboden, vornehmen Lüstern und einem grossen Flügel. Er öffnet sich auf einen beeindruckenden Säulebalkon, der den Platz überschaut.
Plaza de San José
Die Statue von Juan Ponce de León in voller Rüstung wurde aus britischen Kanonen gegossen. Beutestücke aus der Schlacht von 1797.
Bevor man sein Grab 1908 in die Kathedrale verlegte, ruhte Ponce de León in der Kirche von San José. Das weisse Gebäude gilt als
zweitältestes Gotteshaus der westlichen Hemisphäre - seine Errichtung begann 1532. Es ist eines der in der Neuen Welt seltenen
spätgotischen Bauwerke und besitzt ein sehenswertes Deckengewölbe aus dem 16. Jh.
Ebenfalls an der Plaza de San José steht das Pablo-Casals-Museum mit Erinnerungsstücken an den berühmten katalanischen Cellisten,
der seinen Lebensabend in Puerto Rico verbrachte. Zur Ausstellung gehören sein Cello und Videovorführungen des alljährlich auf der
Indel stattfindenden Casals-Festivals.
Das Dominikanerkloster Santo Domingo bot Frauen und Kindern vor den Kariben Schutz. In jungerer Zeit diente es den amerikanischen
Truppen als Stützpunkt. Heutzutage können die Besucher die Ruhe im weiten doppelstöckigen Innenhof geniessen - ein wunderbares
Beispiel spanischen Kolonialstils.
Puerto Ricos Holzschnitzer sind bekannt für ihre "santos", einfache kleine Heiligenfiguren. Im festungsähnlichen Herrenhaus Casa
de los Contrafuertes können Sie einige hübsche historische Santos bewundern.
Im angeblich ältesten Privathaus der Stadt sind ausserdem eine wieder aufgebaute Apotheke und eine Grafik-Ausstellung zu sehen.
Neustadt von San Juan
Die meisten Touristen kommen durch das Viertel Puerta de Tierra (Landtor) nach Old San Juan. Werfen Sie bei der Durchfahrt einen
Blick auf Puerto Ricos Capitolio, das dem Capitol in Washington ähnelt. Ein weiteres Wahrzeichen des 20. Jh., das Hotel Caribe
Hilton, wurde vom der Regierung errichtet, um den Fremdverkehr anzukurbeln.
Das Fort San Jerónimo an der Küste vor dem Hotel, die kleinste der Festung des 18. Jh., beschützte San Juan vor Angreifern aus
dem Osten. Heute beherbergt es ein Museum für Militärgeschichte mit Schwertern, Steinschlossgewehren und einer Sammlung spanischer
Uniformen aus der Zeit vor 1898.
Spanisch oder Englisch?
Die Widersprüchlichkeit und Komplexität der portorikanischen Kultur zeigt sich allein schon in der Sprache: Spanisch und Englisch
sind beides offizielle Amtssprachen, was ja bereits nicht einfach ist. Doch noch viel komplizierter ist die Wirklichkeit.
Seit das Land 1898 in den Besitz der USA kam, lernen alle Puerto Ricaner Englisch. Wirklich gesprochen wird Englisch jedoch nur
von etwa einem Viertel der Einwohner, und es hat Spanisch als Muttersprache der Puerto Ricaner nie ersetzt. Trotz aller Anstrengungen
der Amerikaner, die Sprache Shakespeares in den Schulen durchzusetzen, spielt Englisch immer noch nicht die Hauptrolle.
Vier Jahrhunderte spanischer Herrschaft kann man eben nicht von einem Tag auf den anderen vom Tisch fegen.
Das Paradox ist, dass ein Drittel aller Puerto Ricaner in den USA lebt. :-)

